Montag, 24. September 2007

Präposition in Latein und Französisch II

Un corbel si estoit
En un arbre et mangeoit
Un petitet froumage.
Renart l'a avisé
Qui tost fu apensé
De faire li clamage.

Dist Renart: « Par ma foi,
En tout le mont ne say
Nulle si belle beste
Comme vous, Dan Corbel!
Car fuisse je si bel
Et de cors et de teste!

Il n'est oisel volant
Plus de vous soit plaisant,
Qui vous verroit estendre.
Trop grosse vois avés
Quant haut chanter volés
Plus n'i a que reprendre.»

Le Corbel l'a ouÿ,
Mout s'en est esjoÿ:
Si s'est donc efforcié
De cler chanter et haut

Car lié estoit et baut;
Contrement s'est drecié.

Si son bec ouvri
Pour esclarcir son cri,
Jus chaï le froumage.
Renart dessouz estoit,
Qui riens plus n'atendoit,
Si le prent, comme sage.

Du Corbel s'est moquié
Qu'il avoit engignié
Si dist en son language:
«Parfoy, sire Corbel,
Vous chanterés mout bel
Si ravés le froumage.»

Qui croit quan que il ot
Il est musart et sot,
Il est souvent dolent:
Trop est de mensongiers
Et de faus losengiers
Pour decoivre la gent.


Auch in dem anonymen altfranzösischen Isopet aus dem 13. Jahrhundert findet sich nur eine einzige starke Präposition. "dessouz". Sie wird adjektivisch gebraucht. Man findet dieses Phänomen auch in grottenschlechten lateinischen Texten. Die erwartungsgemäß auftretenden "normalen" Präpositionen haben meist ablativische Funktion. Auch die Bildung des Infinitvs ist natürlich nicht mit der lateinischen vergleichbar. Der wird im Französischen mit der Präposition à, de oder pour quasi mechanisch angeschlossen, wobei die Präposition von dem vorausgehenden Verb abhängig ist, z.B. in "apenser de faire qch.". Nach dem modernen gleichbedeutenden modernen se décider wird der Infinitiv übrigens mit à gebraucht. Eine Semantik ist hier also nicht feststellber.

Natürlich gibt es auch die allomorphen Präfixe. Dabei handelt es sich um Neologismen, also Wörter, die im Zusammenhang mit der lateinischen Gelehrtensprache weiterleben.

Die Frage ist nun, wann genau die lateinischen Präposiitionen ihre starke Semantik verloren, was die Notwendigkeit zu Neubildungen konstituierte. Schwache Präpositionen sind ein Zug des Französischen. Schon im Altfranzösischen sind sie an der Tagesordnung. Also muss sich der Wandel im Sprechlatein vollzogen haben, also in einem Zeitraum von mehreren hundert Jahren. Es ist von einem Modetrend auszugehen, der den Gebrauch starker Präpositionen propagierte, etwa in Analogie zum Anfang des Johannesevangeliums in der Vulgata. Dort sind die Präpositionen auch als bedeutungsstark definierbar. "Apud" bedeutet, dass das Wort schon im Anfang zur Rechten Gottes war.

Dass sich bis zum 9. Jahrhundert die Präpositionen abschwächten, kann viele Ursachen haben, z.B. dass von Teilen der Sprechbevölkerung der Sinn häufiger bedeutungsreicher Präpositionen nicht verstanden wurde. Sehr schön ist das im aktuellen Deutsch zu beobachten. Es ist keineswegs gleichbedeutend "an jemanden zu schreiben" oder "jemandem zu schreiben".

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